Realisierung (LPH 1-8) 2023-2027
Bauherr: privat
BGF: 6.788 qm
34 Wohnungen im Wohnungsmix
EIN GEMEINSCHAFTLICHER DACHGARTEN, 34 GEFÖRDERTE WOHNUNGEN UND EIN KINDERHAUS FÜR SPINELLI
IDEE
Unsere Idee ist es, an dieser prominenten Stelle ein gut funktionierendes, gemeinschaftlich orientiertes und architektonisch wertvolles Gebäude zu errichten. Es soll aus einem viergruppigen Kinderhaus, 34 zu 100% geförderten Wohnungen und einer Gewerbefläche im EG bestehen. Um der wunderschönen Lage direkt am ehemaligen BUGA-Gelände Rechnung zu tragen, haben wir uns entschlossen, die großzügige Dachterrasse im 4. OG zum gemeinschaftlichen Gartengeschoss zu machen. Es wäre unser Wunsch, dass sich hier, auf der 350 qm großen Freifläche mit traumhaftem Blick in die Natur und den sich anschließenden Gemeinschaftsräumen ein wirkliches Miteinander der Bewohner/innen entwickelt. Um das Projekt dauerhaft nachhaltig zu machen und die Nebenkosten im laufenden Betrieb gering zu halten, haben wir versucht, ein konstruktiv und technisch einfaches, dennoch gut funktionierendes, hocheffizientes Gebäude zu planen. So können in dieser wunderschönen Lage über hundert Mannheimer/innen ein kostengünstiges Zuhause finden und 60 Ganztagesbetreuungsplätze im Kinderhaus geschaffen werden.
ZUM ENTWURF
Die Bebauung mit zwei freistehenden Punkthäusern folgt den Vorgaben des B-Plans und gewährleistet die Offenheit und Durchlässigkeit des neuen Quartiers zum südlich gelegenen BUGA-Gelände. Um die Wirkung des achtgeschossigen Hochpunkts als Eckbebauung nach Westen hin zu betonen, sind die beiden Baukörper ansonsten nur mit vier Geschossen (zuzüglich Staffelgeschoss im östlichen Gebäude) konzipiert. Hierdurch entsteht der großzügige Dachgarten im 4. OG.
Im gesamten Erdgeschoss des westlichen Gebäudes befindet sich das viergruppige Kinderhaus, im östlichen Gebäudeteil eine oder alternativ zwei Gewerbeeinheiten – schön wäre hier beispielsweise ein Quartierscafé für Spinelli mit Freisitz nach Süden. Somit sind die ebenerdigen Flächen vollständig öffentlichen Nutzungen vorbehalten. Zwischen den beiden Häusern entsteht eine Platzsituation mit der Möglichkeit zur öffentlichen Durchwegung zum BUGA-Gelände. Dieser vermittelt geschickt zwischen den Geländehöhen und gewährleistet so eine barrierefreie und zudem geschützte Erschließung des Kinderhauses und der Gewerbeeinheit.
Das zentrale Geschoss für die Bewohner/innen der beiden Gebäude befindet sich im 4. OG, welches als überwiegend gemeinschaftlich genutztes Gartengeschoss eine fantastische Aussicht auf das BUGA-Gelände bietet; von hier aus wird die Prominenz des Grundstückes für jeden Bewohner/innen gleichermaßen erlebbar. Über eine Brücke wird der großzügig dimensionierte Dachgarten mit angeschlossenen Gemeinschaftsflächen über beide Häuser hinweg verbunden. Hier oben finden sich der Bewohner-Spielplatz, großzügige Freisitzflächen, Hochbeete und ein kleines Gewächshaus. Dem Dachgarten direkt zugeordnet sind auch gemeinschaftliche Nutzungen wie der Waschraum, das Gästeappartement und ein Gemeinschaftsraum mit Küche. Ein Co-Working-Space bietet zudem Raum für Arbeiten außerhalb der eigenen Wohnung. Um der Dachterrasse als Zentrum des Ensembles keine allzu große Konkurrenz zu machen, sind alle Wohnungen nur mit je einem ca. 3 qm großen Balkon versehen. Auf größere Balkone und Loggien wird bewusst verzichtet.
ZU DEN WOHNUNGEN
Die verschiedenen Wohnungsgrößen von der Ein- bis zur Fünfzimmerwohnung zielt auf Vielfalt bei der Bewohnerschaft ab, hat seinen Schwerpunkt aber beim Wohnen für Familien mit Kindern. Sämtliche Wohnungen in beiden Gebäuden sind gefördert (100% Quote) und erfüllen dabei die Flächenvorgaben des Wohnbauförderprogramms Baden-Württemberg; sie werden alle zudem barrierefrei nach DIN 18040-2 ausgeführt.
Wiederkehrendes Element der Wohnungen ist ein großzügiger Wohn- und Essbereich mit offenen Küchen. Von hier aus führen kurze Flure zu den Schlafräumen und sorgen so für eine Zonierung innerhalb der Wohnung von privat nach öffentlich. Um wertvolle Wohnfläche für andere Räume zu gewinnen, sind die Bäder möglichst kompakt organisiert, die WCs meist vom Bad getrennt, um so ein klassisches Gäste-WC zu ersetzen. Weitere planerische Absicht war die Anordnung ausreichend dimensionierter Abstellräume, räumlich abgetrennter Garderoben und Speisekammern in fast allen Wohnungen, um so die Funktionalität innerhalb der Einheiten zu erhöhen.
Die Anordnung der Wohnungen im Gebäude erfolgte in Abstimmung mit dem Brandschutzgutachter: Alle Wohnungen sind von der Feuerwehr anleiterbar, in den unteren Geschossen über die Steck-, in den oberen Geschossen über die Drehleiter. Lediglich im 3.OG wäre im Zuge der weiteren Planung noch die Anleiterbarkeit an eine Wohneinheit herzustellen, da hier der Abstand des erreichbaren Fensters zur Straße noch knapp über der zulässigen Länge von neun Metern liegt.
ZUM KINDERHAUS
Das viergruppige Kinderhaus mit zwei U3 und zwei Ü3-Gruppen erstreckt sich über das gesamte Erdgeschoss des westlichen Gebäudes und wurde bewusst eingeschossig geplant; dies hat entscheidende pädagogische und wirtschaftliche Vorteile beim späteren Betrieb der Einrichtung. Alle Gruppen und Funktionsräume sind nach Süden Richtung BUGA-Gelände ausgerichtet und schließen direkt an die großzügige Freifläche an (mit mehr als 10 qm je Kind). Die Schlafräume sind den jeweiligen Gruppen zugeordnet und werden der Funktion angemessen über ein Oberlicht belichtet. Zentrum der Einrichtung bildet das Foyer im Eingangsbereich, daran angeschlossenen befindet sich der verglaste Mehrzweckraum mit danebenliegender zuschaltbarer Küche. Sämtliche Funktionen wie Büro, Elternsprechzimmer, Hauswirtschaftsraum, WCs etc. sind ebenfalls über einen Stichflur vom Foyer aus erschlossen. Richtung Westen erstreckt sich der Hauptflur, der die Erschließung der Gruppenräume und auch der Garderoben und Kinderbäder gewährleistet. Der großzügige Personalraum findet sich geschützt vom Alltagsbetrieb gelegen in der Nordwestecke des Gebäudes. Selbstverständlich bildet das Raum- programm die Flächenvorgaben des KVJS für Ganztagesbetreuungsplätze ab.
ZU NACHHALTIGKEIT UND ENERGIE
Die beiden Gebäude sollen eine Alternative zur zunehmend komplexen und technologisierten Bauwelt und ein Beispiel für die Rückkehr zum einfachen Bauen aufzeigen. Das Nachhaltigkeitskonzept zielt so nicht auf mehrschichtige Konstruktionen mit Sonderbauteilen und aufwändiger Gebäudetechnik ab, sondern auf eine möglichst einfache, wirtschaftliche und vor allem dauerhafte Bauweise, auch im Sinne des späteren Betriebs des Gebäudes und niedriger Nebenkosten für die Bewohner/innen. Durch das Prinzip des veredelten Rohbaus und dem weitgehenden Verzicht auf Hilfsstoffe und materialfremde Sonderbauteile kann eine ressourcenschonende Bauweise gewährleistet werden. So werden zum Beispiel die Außenwände monolithisch gemauert (ganz ohne WDVS) die Decken und Stahlbetoninnenwände verbleiben roh; so kann zudem eine hohe Speicherfähigkeit im Sommer und Winter erreicht werden. Das Gebäude und Techniksystem wird konsequent getrennt, die Haustechnik auf das sinnvoll Notwendige reduziert.
In Vorabstimmung mit dem Fachingenieur für Bauphysik kann der gewünschte KfW 40-EE Standard erfüllt werden. Entscheidend dafür ist unter anderem ein gutes A/V-Verhältnis, weshalb der Entwurf konsequent auf kleinteilige Gebäudeversprünge wie Loggien etc. verzichtet. Ergänzt wird das Energie-konzept durch die Nutzung einer Wärmepumpe mit dezentraler WW-Versorgung und dem groß- flächigen Einsatz von Photovoltaik auf den nicht als Dachgarten genutzten Dachflächen beider Gebäude. Der Gründachaufbau auf allen Dächern dient ebenso wie die große Baumrigole der Regenrückhaltung.
Diese einfache und ressourcenschonende Bauweise gewährleistet die wirtschaftliche Realisierung des Projekts trotz 100% gefördertem Wohnraum.
ZU MATERIALITÄT
Die äußere Erscheinung der Gebäude wird geprägt von einem groben Schlepp-Putz, der mit gelblich-grauen Zuschlägen durchgefärbt wird und keinen weiteren Anstrich erhält. Neben seinen ästhetischen Qualitäten weist der Putz eine lange Lebensdauer auf und altert schön. Passend zur Mauerwerks-konstruktion sind die Fenster als stehende Formate angeordnet, für den uneingeschränkten Blick in die Natur immer bodentief. Hochgedämmte Holz-Alufenster verbinden eine wohnliche Anmutung im Innern mit einer langlebigen und wartungsfreien Konstruktion außen. Die fein verputzten tiefen Laibungen und die präzisen Aluminiumkanten der Fenster formulieren einen Kontrast zur grob anmutenden Putz-Fassade. Stahlbetonwände und -decken im Innenraum bleiben sichtbar; das vorgesehene Echtholz-Parkett bildet dazu einen reizvollen Kontrast.
ZU DEN STELLPLÄTZEN FÜR FAHRRAD UND PKW
Sämtliche KFZ-Stellplätze werden in der Tiefgarage nachgewiesen. Die Zufahrt erfolgt im Freien im Bereich der Abstandsfläche des östlichen Gebäudes; hierdurch geht keine wertvolle Erdgeschossfläche verloren und ein weiterer Einschnitt in die thermische Hülle wird verhindert. Über die Rampe erreicht man auch die beiden großen Fahrradkeller, in denen mittels Doppelstockparkern mehr als die geforderten Stellplätze und darüber hinaus auch eine kleine Fahrradwerkstatt und Abstellmöglichkeiten für Lastenräder und Anhänger Platz finden. Zusätzliche Fahrradbügel befinden sich auf dem Vorplatz
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