Festhalle Saarwellingen

VgV-Verfahren mit Lösungsvorschlag 1. Rang 08/2019
Realisierung (LPH 1-4, 5-9 stufenweise) 2020-2023
Bauherr: Gemeinde Saarwellingen
BGF: 3.102 qm

Stadtbaustein
Städtebaulich werden die Grundzüge der Machbarkeitsstudie übernommen. Das Bistro wird als eingeschossiger Baukörper der Festhalle vorgelagert und schließt direkt an den bestehenden Torbogen an. Das Gebäude zeichnet so das Volumen des historischen Seitenflügels des Schlosses nach und formuliert dabei stadträumlich einen zweiten, kleineren Platz zur Marktstraße hin aus. Dieser dient als Vorplatz zum Haupteingang der Festhalle und bindet zudem die Wegeverbindung zur Breitwies mit ein. Ein zweiter Zugang zum Gebäude orientiert sich hingegen zum neu gestalteten Schlosshof hin.
Um das Volumen der Festhalle verträglich in den eher kleinteiligen Kontext der Saarwellinger Ortsmitte einzufügen, soll der Baukörper noch weiter gegliedert und der jeweiligen Nachbarschaft angepasst werden. In Anlehnung an das prägnante Mansarddach des Rathauses markieren drei aufgesetzte Dächer sichtbar die wichtigsten Räume des Neubaus: großer Saal, Konferenzbereich und Bistro.
Während entlang der Wilhelmstraße die Traufhöhe der Nachbargebäude aufgenommen wird, übernimmt das Bistro die Höhe des Torbogens und belässt so dem Rathaus seine städtebauliche Dominanz. Allzu lange Fassaden sollen ebenfalls vermieden werden, beispielsweise durch leichtes Knicken entlang der Wilhelmstraße oder durch einen Gebäudeversprung zum Schlossplatz hin. Darüber hinaus markieren tiefe Einschnitte die Eingänge zum Gebäude. In Verlängerung des Torbogens entsteht zwischen Rathaus und Bistro ein „Gässchen“, welches zum Nebeneingang der Festhalle führt und diesen dadurch spürbar aufwertet.

Flexibilität und Feierlichkeit
Die beiden Eingänge führen zu einem räumlich attraktiven Foyer im Innern, welches einerseits alle Bereiche auf übersichtliche Art und Weise miteinander verbindet, aber auch selbst verschiedenste Veranstaltungen wie Ausstellungen, Flohmärkte o.ä. ermöglicht. Lage und Ausbildung des Nebeneingangs gewährleisten dabei eine separate Erschließung sowohl des Konferenzbereich im Obergeschoss als auch der gemeindeeigenen Lagerräume im UG. Der Ausschank im Erdgeschoss kann flexibel sowohl vom Bistro als auch vom Foyer aus genutzt werden.
Zur Wilhelmstraße hin ist dem Saal ein Flur in Form einer Wandelhalle vorgelagert. Diese dient als Puffer (Schall- und Sichtschutz) zur Straße, verbindet das Foyer mit dem Backstage-Bereich und ermöglicht zudem die gleichzeitige Nutzung beider Saalteile. Der Saal selbst öffnet sich großzügig zum Schlosshof und wird so auch mit ausreichend, aber nicht zu viel Tageslicht versorgt. Teile der Saalfläche werden auf einer Empore nachgewiesen, welche über das Foyer im Obergeschoss erschlossen wird. Die Andienung des Saals bzw. der Bühne erfolgt von Osten aus. In diesem Bereich werden auch die entsprechenden Nebenräume wie Lager, Künstlergarderoben etc. angeordnet. Die aufgesetzten Mansarddächer prägen neben dem äußeren Erscheinungsbild aber auch wesentlich die Atmosphäre im Innern des Gebäudes, indem der Dachraum nach innen offen bleibt. Das Material des Tragwerks, Holz, kommt auch beim Innenausbau zur Ausführung, beispielsweise bei den großen Saaltüren oder als Parkett im Saal und in den Konferenzräumen. Die Innenräume wirken dadurch wertig und feierlich und erhalten in der Kombination mit einzelnen ausgewählten Sichtbetonflächen einen zeitgemässen architektonischen Ausdruck.

Konstruktion und Wirtschaftlichkeit
Auch in seiner Materialität stellt der Neubau Bezüge zum Bestand her. Zur Bekleidung der Fassaden soll der Naturstein des Sockels des Schlossgebäudes verwendet werden. Teilflächen werden als Putzfassade in gleicher Farbigkeit ausgeführt. Die Titanzinkeindeckung der Dachflächen bezieht sich in ihrer Vorbewitterung in anthrazit auf die Schiefereindeckung des Bestands. Die gewählten Ausführungen sind dauerhaft und hochwertig, aber dennoch wirtschaftlich und wartungsarm.
Die gewählte Dachform ermöglicht die sehr wirtschaftliche Aufstellung von Dachgeräten für die Lüftungsanlage, ohne dass diese von der Straße oder Nachbargebäuden aus gesehen werden können. Die kleinere Lüftungsanlage für das Bistro wird in dem Dachraum direkt oberhalb der Küche untergebracht.
Auf diese Art und Weise können die inneren Technikflächen und somit das ganze Untergeschoss auf ein Minimum reduziert werden. Hier befindet sich neben verschiedenen Lager- und Nebenräumen noch die Energiezentrale (Heizung).


Bayer & Strobel Architekten | Richard-Wagner-Straße 1 | 67655 Kaiserslautern | +49 (0) 631 - 3107170 | mail@bayerundstrobel.de